13. Januar - 24. Februar 2007
   


SURREAL

mit Björn Braun, Natalie Czech, Tim Ernst und Lea Asja Pagenkemper

Eröffnung: Freitag, 13. Januar 2007, 18.00- 21.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Januar- 24. Februar 2007

Tim Ernst
Tim Ernst   
Entrance 2, 2006
Mixed Media, Durchmesser 65 cm

Unter dem Motto Surreal zeigt die Galerie Jette Rudolph neue Positionen vier junger Künstler, in denen die Wirklichkeit in traumgleiche Bilder zusammengesetzt wird.

Der Automatismus der freien Assoziation einerseits und der Traum andererseits ist durch das gemeinsame Konzept des irrational aufgefassten, metaphorischen Bildes miteinander verbunden (nach Wilhelm Rubin). Die Wahrnehmungsstrukturen werden aus ihren logischen Assoziationen herausgelöst und verschoben, der Gedanke wandert von der zweidimensionalen Formensprache des Bildes in die dreidimensionale Ebene der Plastik. Die Reproduktion des Seelischen liegt im Empfinden des kaum Erfassbaren, ist ein Spiel zwischen den Irrungen und Wirrungen gegen die Raum– Zeit- Realität.

Björn Braun (geb. 79 in Berlin) wird den Rezipienten mit dem realistischen Unrealistischen verwirren, wenn zum Beispiel sein Vogelhäuschen, aus einem ausgestopften Kuckuck erarbeitet, den Blick erwidert. Der Künstler gibt seinen Collagen alter Buchseiten und Objekten aus Naturmaterialien eine neue, den eigentlichen Sinn des Wortes/ Gedankens aufgreifende Form. Dabei sind Sinn und Form so eng miteinander verwoben, dass das Bild/ Objekt in seiner Umformung neu erfahrbar wird, das Wort also metaphorisch zerlegt und in seinem Abstrakt wieder zusammengesetzt wird. Der Betrachter ist herausgefordert aus seinem Formenrepertoire zu assoziieren und alte Sinnzusammenhänge neu zu denken.

Natalie Czech (geb. 76 in Neuss) arbeitet aus dem Fundus der digitalisierten Fotografie aktueller und politischer Themenkomplexe heraus und fragt während der „Operation“ am Bild nach der Aktualität und dem Wirklichkeitsbezug des Medium Foto. Die entfremdete Bildwirklichkeit wird in der Serie Daily Mirror zur Nahaufnahme, zersprengte Oberflächen setzten sich in einer permanenten Wiederholung und Aneinanderreihung zusammen und finden ihre Evidenz in der Verallgemeinerung und Standardisierung, formen eine perspektivisch aus verschiedenen Richtungen zusammenlaufende Bildrealität.

Tim Ernst (geb. 77 in Köln) führt mit seinem aus Sand gezogenen „Ritenkreis“ den Betrachter in die Tiefen einer aus Erinnerungen zusammengebauten Welt. Dabei verdichten sich die verschiedenen Medien aus Malerei und Objektinstallation zu einer komplexen, die Zweidimensionalität des Bildes aufbrechende Narration aus Erlebtem und Gesehenem. Durch das Rezitieren mystischer Elemente, wie dem weißen Pentagramm, Fragmenten aus Comic (Tim aus: „Tim & Struppi“) und Realität (Turnschuhe) wird der Ehrzählfaden abgerissen und der Betrachter findet sich in einem zerbrechlichen Gefüge wieder, in dem der Traum zur Realität wird und nicht mit der logischen Assoziation zu erfassen, sondern vielleicht mit Intuition und Emotion begreifbar wird.

Lea Asja Pagenkemper (geb.76 in Berlin) komponiert in mehrmaligem Farbauftrag pastoser und lasierender Farbschichten ihre großformatigen Bilder, eine in ihre kleinsten Teile zerlegte Wirklichkeit, geschöpft aus den Fragmenten des urbanen Raums, vermischt mit Landschaftszitaten und lyrischen Passagen, die auf ein Minimum reduziert, wieder zusammengefügt wurden. Durch die Transparenz der Farben und die Reflektion des Lichtes durch die einzelnen Farbschichten hindurch zur Leinwand, gewinnen ihre Bilder räumliche Tiefe, bekommen einen haptisch erfahrbaren Resonanzkörper. Dabei entstehen abstrakt anmutende Werke von entrückter Schlichtheit, gepaart mit einem subtilen Seelenempfinden.

Björn Braun
Björn Braun, o.T., 2006, Collage/ Board, 24,5 x 44 cm



Tim Ernst, frame mama, 2006
Holz, Schaum, 45 x 65 x 55 cm

Lea Asja Pagenkemper, Björn Braun, Installationsansicht Jette Rudolph, Berlin
Lea Asja Pagenkemper, Björn Braun
Installationsansicht Galerie Jette Rudolph, SURREAL

english version

In the beginning of the new year in 2007 the Gallery Jette Rudolph presents new positions of four young talents, in which the reality is reflected into dream- like images under the topic SURREAL.

On the one hand the automatism of free association and on the other the dream, they are connected with the common concept of irrational understanding of metaphorical images (Wilhelm Rubin). The structure of perception is taken and shifted from the logical association, the recipient´s mind is moving between the two- dimensional language of forms in the images and the three- dimensional surface of the sculptures. The hardly cognizable in mental reproduction is like a game between the confusing and the space- time- reality.

Björn Braun (born in Berlin, 1979) will confuse the viewer with the “real unrealistic”, e.g. with his aviary modelled on a cuckoo. The artists collages are made by antique books and natural materials. The meaning of the word is metaphorical taken apart and its abstract is newly composed, so the viewer has to associate the new sensory connection with the known language of forms.

Natalie Czech (born in Neuss, 1976) deals with an archive of knowledge of digitized latest and political photographs. During the “operation” on the pictures she asks for the topicality and the realistic references the medium photo should have. The artist estranges the surfaces of the picture in permanent repetition, the evident nature is found in the standardization, typecasting and transforming new realities considering different lines of visions.

Tim Ernst (born in Cologne, 1977) abducts the viewer into a world, considering of memories and dreams, when trespassing the ritual circle of wood shavings. The media of paintings and installations are compressed into a complex narration, which bursts the two- dimensional surface of images. During the recitation of mystical elements like the white pentagram, fragments of Comics like Tim (“Tim & Struppi”) and the reality like sneakers the viewer is droped into a fragile structure, which is cognizable by emotions and intuition.

Lea Asja Pagenkemper (born in Berlin, 1976) composes her high sized images by different coatings of impasting and glazing layers of paints. The reality is splitted in its smallest particles of fragments of the urban space, lyrical and landscape quotes. The images get their spacial dimensions and are haptic cognizable with the reflection of light through the layers of paints to the canvas.