29. Juni - 28. Juli 2006

 
   


BILD - SKULPTUR

Jan Brokof, Jan Koch, Marcus Sendlinger, Klaus-Martin Treder, Rob Voerman, Alexander Wolff, Phillip Zaiser

Alexander Wolff, Jan Brokof / Bild-Skluptur @ Jette Rudolph, Berlin

english version below

Entlang der verschiedenen Arbeiten der o.g. Künstler wird die Frage nach dem imaginären Raum, dem individuell persönlichen, aber auch nach dem öffentlichen Raum gestellt.
Die Werke finden ihr direktes Ausdrucksmittel in Formen, Farben, Symbolen und unterschiedlichsten Materialien und werden zu intermedialen Modellen in der Diskussion über ästhetische, ökonomische, kulturelle, historische sowie soziologische Fragen - kurz: zu einer "verbildlichten Gesellschaftskritik".

Jan Brokofs (geb. 1977) Jugendzimmer "Soziale Einheit" schildert die Grenzwelt zwischen Kindesalter und Erwachsenendasein, öffnet sich dem Raum und gewährt dem Betrachter Einblicke in eine längst zurückgewiesene seelische Entrücktheit, der Suche nach Orientierungspunkten in der Gesellschaft. Dabei verstärkt sich der bedenkliche Kompromiß zwischen den kindlichen Idealen und den "Scheinwerten" gesellschaftlicher Lebensweisen. Die Reduktion auf die Unfarben Schwarz und Weiß evoziert den Charakter einer virtuellen Welt, in der die Unschuld des Kindes der "Verderbtheit" des Erwachsenen gegenüber steht.

Jan Koch (geb. 1978) inszeniert einen Zimmerbrunnen, einen mit Hirschgeweihen bestückten silberfarbigen Pokal aus dem Wasserdampf aufsteigt. Dabei werden die mythologisch wie auch christlich tradierten Symbole (Hirsch = Göttlichkeit, Wasser = göttliches Wort), die mit dem frühchristlichen Taufbecken und den allegorischen Jagdmotiven der Brunnen der Renaissance und des Barocks in enger Beziehung stehen, in neue Sinnzusammenhänge gesetzt, wenn man an die dekorative Funktion des Zimmerbrunnen als Element moderner Wohnkultur denkt.

Marcus Sendlinger (geb.1967) kreiert zwei Bildebenen, die sich treffen und einen neuen fast dreidimensionalen Bildraum erzeugen. Ein Gewirr von Farben auf und an Geraden, dahinter und darüber, läßt neue geometrische Formen im Bild entstehen. Vorder- und Hintergrund wechseln sich in ihrer Dominanz immer wieder ab, so daß Bewegung erzeugt wird, die wie ein Sog wirkt. Die Skulptur läßt die weitergedachte Flächenkonstruktion aus Sendlingers Malerei assoziieren, greift in den Raum über, zersetzt ihn in seine Einzelteile, um ihn dann als Rahmen, wie ein Skelett wieder und wieder zusammen zu setzten. Dabei werden Natur und Produktdesign zu Inspirationsquellen in Sendlingers Arbeitsprozeß.

Klaus - Martin Treder (geb.1961) bezieht in Anlehnung und Abstraktion von Logos und Comicwelten seine Farbkompositionen und Formensprache, komponiert und berechnet neue Farbwerte, setzt sie ohne weitere Retuschen zusammen und expandiert vom 2 - dimensionalen Raum der Malerei in die 3 - dimensionale Ebene der Skulptur. Materialmix und die Inszenierung der Malerei in die Form der Skulptur werden zu einem architektonisch eingebundenen Gesamtkonzept, liefert der Malerei als Konstruktion einen Zugewinn neuer Optionen im mehrdimensionalen Sinn.

Rob Voerman (geb.1966) beschäftigt sich in seinen intermedialen Bildwerken und Skulpturen mit der Frage nach dem Kreieren neuer Lebensräume, der interfunktionalen Architekturwahrnehmung, die der Veränderung des Zustands Mensch und seiner Bewusstseinsstrukturen Raum für Intimität und Möglichkeiten des Rückzuges geben sollen. Dabei kombiniert Voerman die konzeptionellen Strukturen von Eremiten- und Obdachlosenbehausungen ebenso wie die der modernen Bürokomplexe und Wohnblocks der Städte - das Zusammenleben als Verzahnung von Individuen in der idealen Welt.

Alexander Wolff
(geb. 1976) zeigt einen ca. 3 x 4m grossen Vorhang, auf dem Zeichen zu sehen sind, die der Labanotation entnommen sind. Dieses ist eine von dem Choreographen und Tanztheoretiker Rudolf von Laban(1879-1958) erfundene Zeichenschrift, die dieser zu dem Zweck konstruierte, um damit alle möglichen Körperbewegungen darstellen zu können. Dieser angestrebte Universalismus ist in seiner formalen Gestalt anderen modernistischen Entwürfen in Design und Kunst ähnlich, wie z.B. einem Bauhaus-Bühnenbild oder einer 20er Jahre Darstellung zukunftsgewandter Architektur. Der Vorhang wurde als Hintergrund (engl. "backdrop") für die Arbeit "Bühnenbild für 'Crystalll' von Alice Chauchat und Alix Eynaudi, 2004", 2004-2006 entwickelt.

Phillip Zaiser (geb. 1969) bricht die lange Flucht des Galerieflurs mit einer die Dimensionen des Raums sprengenden Adaption der griechisch- antiken Plastik der Nike von Samothrake. Der Kopf der riesenhaften geflügelten Siegesgöttin verschwindet in der Decke, während ihr Körper abstrahiert aus einer Collage von Holzresten gefertigt ist. Die Wahl der medialen Form bricht den erhöhenden Charakter des Denkmals.


Phillip Zaiser
o.T. (Nike), 2006
Mischholz getackert, 240 x 80 x 140 cm


s.o.


Installationview: li. Klaus- Martin Treder und re. Marcus Sendlinger


s.o.


s.o.


Alexander Wolff
Modern Dance Backdrop
Dispersion auf verschied. Textilien, ca. 3x4m


Jan Brokof
Martins Bett, 2006
Installation, Holzschnitt u. Aquarell, 243 x 200 x 80 cm


s.o.


Jan Koch


s.o.


Rob Voerman


Rob Voerman


Press Release

The different works of the invited artists are set along the question for imaginary space, for the individual but also for public space. The artists' expressions are transformed into the medium of form, color, symbolism or other materials to create an intermedial model discussing the subject of ethtetics, economical, cutural, historical and social questions - in short: "a pictorial association of social criticism".
Jan Brokof's (1977) teenage room called "Soziale Einheit" discusses the borderline between childhood and becoming a grown up. The set gives an impression of long forgotten emotional ecstasies, searching for reference points in society. So the questionable compromise of childlike ideals and hypocritical values of life increases. Through the formal reduction of the installation in colors of black and white the character of virtual reality is evocated associating that the innocense of the child confronts the corruption of adults' society.
Jan Koch (1978) constructed an indoor fountain in the shape of a silver cup, which is equipped with antlers and steam rising out of it. Thinking of traditional christian and mythological symbolism (like water = the Divine Word, deer = Divinity) the work refers to fontains of early christian baptismal of the Renaissance and Baroque as well as to classical ones carrying allegorical hunting scenes. But in the case of Koch's work the function of the fountain is put into a new context - so the indoor fontain as a decorative element in nowadays living culture.
Phillip Zaiser (1969) adapts a classical Grecian sculpture - the Nike of Samothrake - which he installs in the hallway of the gallery evoking the impression to break the dimensions of space. The head of the winged goddess of victory disappears in the ceiling. The torso of the Nike consists of a collage of hundreds of pieces of wood encircled by a painted virtual fence painted on the walls. So the memorial character turns into an outbursting projection.
Marcus Sendlinger (1967) creates two plains crossing eachother to create a new three - dimensional one. The chaos of colors above, underneath and besides the straight linear- geometrical compositions oscillates between back- and foreground. With the sculpture Sendlinger's canvas has materialized into a moving construction, shared into single pieces in order to put them togehter like a skeleton or framework. Sendlinger's work in process is inspired by nature and product design.
Klaus - Martin Treder (1961) citates comics and logos to realize his abstract compositions. He expanses from two into three - dimensional space, from painting into sculpture. In the paintings he uses special kinds of mixed materials to transform it into sculpture entering into an architectural concept.
Rob Voerman (1966) deals in his intermedial works with the question about perception of architecture to create new living spaces. He combines conceptional structures of living areas of eremits, homeless people, also modern blocks and offices to visualize an example for interlocking individuals in the perfect world.
Alexander Wolff (1976) designed a black curtain (4x3 m) with colored signs describing the theory of the dance of R. Laban. The curtain functions as the medium between visitor and actor, also as a border or welcome and good bye for the beginning and end of the dance or the scene of world theatre like in the age of Baroque. The rising up and down of the curtain is celebrated in meaning of the never ending moving of people in space and time, the visitor is actor on the threshold of a new perception.