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BILD - SKULPTUR
Jan Brokof, Jan Koch, Marcus Sendlinger, Klaus-Martin Treder, Rob Voerman,
Alexander Wolff, Phillip Zaiser
english version below
Entlang der verschiedenen Arbeiten der o.g. Künstler wird die Frage nach dem imaginären Raum,
dem individuell persönlichen, aber auch nach dem öffentlichen Raum gestellt.
Die Werke finden ihr direktes Ausdrucksmittel in Formen, Farben, Symbolen und
unterschiedlichsten Materialien und werden zu intermedialen Modellen in der Diskussion
über ästhetische, ökonomische, kulturelle, historische sowie soziologische Fragen - kurz:
zu einer "verbildlichten Gesellschaftskritik".
Jan Brokofs (geb. 1977) Jugendzimmer "Soziale Einheit" schildert die Grenzwelt zwischen
Kindesalter und Erwachsenendasein, öffnet sich dem Raum und gewährt dem Betrachter
Einblicke in eine längst zurückgewiesene seelische Entrücktheit, der Suche nach
Orientierungspunkten in der Gesellschaft. Dabei verstärkt sich der bedenkliche Kompromiß
zwischen den kindlichen Idealen und den "Scheinwerten" gesellschaftlicher Lebensweisen.
Die Reduktion auf die Unfarben Schwarz und Weiß evoziert den Charakter einer virtuellen
Welt, in der die Unschuld des Kindes der "Verderbtheit" des Erwachsenen gegenüber
steht.
Jan Koch (geb. 1978) inszeniert einen Zimmerbrunnen, einen mit Hirschgeweihen bestückten
silberfarbigen Pokal aus dem Wasserdampf aufsteigt. Dabei werden die mythologisch wie auch
christlich tradierten Symbole (Hirsch = Göttlichkeit, Wasser = göttliches Wort), die mit
dem frühchristlichen Taufbecken und den allegorischen Jagdmotiven der Brunnen der
Renaissance und des Barocks in enger Beziehung stehen, in neue Sinnzusammenhänge gesetzt,
wenn man an die dekorative Funktion des Zimmerbrunnen als Element moderner Wohnkultur
denkt.
Marcus Sendlinger (geb.1967) kreiert zwei Bildebenen, die sich treffen und einen neuen
fast dreidimensionalen Bildraum erzeugen. Ein Gewirr von Farben auf und an Geraden,
dahinter und darüber, läßt neue geometrische Formen im Bild entstehen. Vorder- und
Hintergrund wechseln sich in ihrer Dominanz immer wieder ab, so daß Bewegung erzeugt
wird, die wie ein Sog wirkt. Die Skulptur läßt die weitergedachte Flächenkonstruktion
aus Sendlingers Malerei assoziieren, greift in den Raum über, zersetzt ihn in seine
Einzelteile, um ihn dann als Rahmen, wie ein Skelett wieder und wieder zusammen zu
setzten. Dabei werden Natur und Produktdesign zu Inspirationsquellen in Sendlingers
Arbeitsprozeß.
Klaus - Martin Treder (geb.1961) bezieht in Anlehnung und Abstraktion von Logos und
Comicwelten seine Farbkompositionen und Formensprache, komponiert und berechnet neue
Farbwerte, setzt sie ohne weitere Retuschen zusammen und expandiert vom 2 - dimensionalen
Raum der Malerei in die 3 - dimensionale Ebene der Skulptur. Materialmix und die
Inszenierung der Malerei in die Form der Skulptur werden zu einem architektonisch
eingebundenen Gesamtkonzept, liefert der Malerei als Konstruktion einen Zugewinn neuer
Optionen im mehrdimensionalen Sinn.
Rob Voerman (geb.1966) beschäftigt sich in seinen intermedialen Bildwerken und Skulpturen
mit der Frage nach dem Kreieren neuer Lebensräume, der interfunktionalen
Architekturwahrnehmung, die der Veränderung des Zustands Mensch und seiner
Bewusstseinsstrukturen Raum für Intimität und Möglichkeiten des Rückzuges geben sollen.
Dabei kombiniert Voerman die konzeptionellen Strukturen von Eremiten- und
Obdachlosenbehausungen ebenso wie die der modernen Bürokomplexe und Wohnblocks der
Städte - das Zusammenleben als Verzahnung von Individuen in der idealen Welt.
Alexander Wolff (geb. 1976) zeigt einen ca. 3 x 4m grossen Vorhang, auf dem Zeichen zu
sehen sind, die der Labanotation entnommen sind. Dieses ist eine von dem Choreographen
und Tanztheoretiker Rudolf von Laban(1879-1958) erfundene Zeichenschrift, die dieser zu
dem Zweck konstruierte, um damit alle möglichen Körperbewegungen darstellen zu können.
Dieser angestrebte Universalismus ist in seiner formalen Gestalt anderen modernistischen
Entwürfen in Design und Kunst ähnlich, wie z.B. einem Bauhaus-Bühnenbild oder einer 20er
Jahre Darstellung zukunftsgewandter Architektur. Der Vorhang wurde als Hintergrund
(engl. "backdrop") für die Arbeit "Bühnenbild für 'Crystalll' von Alice Chauchat und
Alix Eynaudi, 2004", 2004-2006 entwickelt.
Phillip Zaiser (geb. 1969) bricht die lange Flucht des Galerieflurs mit einer die
Dimensionen des Raums sprengenden Adaption der griechisch- antiken Plastik der Nike von
Samothrake. Der Kopf der riesenhaften geflügelten Siegesgöttin verschwindet in der Decke,
während ihr Körper abstrahiert aus einer Collage von Holzresten gefertigt ist. Die Wahl
der medialen Form bricht den erhöhenden Charakter des Denkmals.

Phillip Zaiser
o.T. (Nike), 2006
Mischholz getackert, 240 x 80 x 140 cm

s.o.

Installationview: li. Klaus- Martin Treder und re. Marcus Sendlinger

s.o.

s.o.

Alexander Wolff
Modern Dance Backdrop
Dispersion auf verschied. Textilien, ca. 3x4m

Jan Brokof
Martins Bett, 2006
Installation, Holzschnitt u. Aquarell, 243 x 200 x 80 cm

s.o.

Jan Koch

s.o.

Rob Voerman

Rob Voerman
Press Release
The different works of the invited artists are set along the question for imaginary
space, for the individual but also for public space. The artists' expressions are
transformed into the medium of form, color, symbolism or other materials to create an
intermedial model discussing the subject of ethtetics, economical, cutural, historical
and social questions -
in short: "a pictorial association of social criticism".
Jan Brokof's (1977) teenage room called "Soziale Einheit" discusses the borderline between
childhood and becoming a grown up. The set gives an impression of long forgotten emotional
ecstasies, searching for reference points in society. So the questionable compromise of
childlike ideals and hypocritical values of life increases. Through the formal reduction
of the installation in colors of black and white the character of virtual reality is
evocated associating that the innocense of the child confronts the corruption of adults'
society.
Jan Koch (1978) constructed an indoor fountain in the shape of a silver cup, which is
equipped with antlers and steam rising out of it. Thinking of traditional christian and
mythological symbolism (like water = the Divine Word, deer = Divinity) the work refers
to fontains of early christian baptismal of the Renaissance and Baroque as well as to
classical ones carrying allegorical hunting scenes. But in the case of Koch's work the
function of the fountain is put into a new context - so the indoor fontain as a
decorative element in nowadays living culture.
Phillip Zaiser (1969) adapts a classical Grecian sculpture - the Nike of Samothrake -
which he installs in the hallway of the gallery evoking the impression to break the
dimensions of space. The head of the winged goddess of victory disappears in the ceiling.
The torso of the Nike consists of a collage of hundreds of pieces of wood encircled by a
painted virtual fence painted on the walls. So the memorial character turns into an
outbursting projection.
Marcus Sendlinger (1967) creates two plains crossing eachother to create a new three -
dimensional one. The chaos of colors above, underneath and besides the straight linear-
geometrical compositions oscillates between back- and foreground. With the sculpture
Sendlinger's canvas has materialized into a moving construction, shared into single
pieces in order to put them togehter like a skeleton or framework. Sendlinger's work
in process is inspired by nature and product design.
Klaus - Martin Treder (1961) citates comics and logos to realize his abstract compositions.
He expanses from two into three - dimensional space, from painting into sculpture.
In the paintings he uses special kinds of mixed materials to transform it into sculpture
entering into an architectural concept.
Rob Voerman (1966) deals in his intermedial works with the question about perception of
architecture to create new living spaces. He combines conceptional structures of living
areas of eremits, homeless people, also modern blocks and offices to visualize an
example for interlocking individuals in the perfect world.
Alexander Wolff (1976) designed a black curtain (4x3 m) with colored signs describing the
theory of the dance of R. Laban. The curtain functions as the medium between visitor
and actor, also as a border or welcome and good bye for the beginning and end of the
dance or the scene of world theatre like in the age of Baroque. The rising up and
down of the curtain is celebrated in meaning of the never ending moving of people in
space and time, the visitor is actor on the threshold of a new perception.
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